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EPSAS – Auswirkungen auf die IT-Finanzsysteme doppisch buchender Organisationen

Veröffentlicht von  Unit4 Team

Die europäische Union plant die Einführung europaweit gültiger Rechnungslegungsstandards für den öffentlichen Sektor, also verbindliche Vorgaben wie die ca. 17.500 Kommunen, Landes- und Bundesbehörden in Deutschland zukünftig ihre Finanzen darstellen sollen. Es handelt sich dabei zum jetzigen Zeitpunkt noch um ein Projekt, das aber bis voraussichtlich 2020 oder 2021 zu verbindlichen Vorgaben führen soll. In den vorangegangenen zwei Blogbeiträgen wurde das Projekt vorgestellt und der aktuelle Stand geschildert. In diesem dritten sowie im vierten Teil des Blogs soll es darum gehen, die Auswirkungen der EPSAS-Einführung auf die IT – oder genauer gesagt – auf die Finanzsoftware darzustellen. Ganz entscheidend für die Abschätzung des Aufwands der Anpassung für EPSAS bei den betroffenen Organisationen ist die Ausgangslage:                   Organisationen, die schon von der Kameralistik auf die Doppik umgestiegen sind, werden einen gewissen Anpassungsbedarf haben, aber sie können die bestehenden Systeme grundsätzlich weiter benutzen. Der Anpassungsbedarf wird zuerst dargestellt.  

Anpassungsbedarf in einer doppischen Finanzsoftware

Da die EPSAS als ausformulierte Standards noch nicht vorliegen, orientieren wir uns zur Abschätzung der Auswirkungen auf ein doppisches Finanzsystem an den IPSAS. Diese dienen als Ausgangspunkt für die Entwicklung der EPSAS und bieten damit eine gute Grundlage für die grundsätzliche Abschätzung der Anforderungen. Die IPSAS und mit Sicherheit auch die EPSAS werden für die Rechnungslegung folgende Bestandteile fordern:

  • Vermögensrechnung - Bilanz.
  • Erfolgsrechnung – Gewinn- und Verlustrechnung.
  • Eigenkapitalspiegel - Darstellung der Eigenkapitalveränderung.
  • Finanzrechnung - Cash Flow Statement.
  • Anhang.
  • Evtl. Lagebericht.

Das entspricht im Grundsatz auch den Anforderungen der in Deutschland bestehenden doppischen Rechnungslegungsvorgaben, sei es nach den Standards der staatlichen Doppik oder nach den Vorgaben des Gemeindehaushaltsrecht bzw. der Ländervorschriften in den Bundesländern. Bilanz und Erfolgsrechnung sind Standard in jedem Finanzsystem. Der Eigenkapitalspiegel und die Finanzrechnung werden über Reportingfunktionalitäten bzw. Übergangsrechnungen in den Finanzsystemen abgedeckt. Der Anhang und der Lagebericht erfordern „Handarbeit“, aber die Finanzsoftware stellt die entsprechenden Daten über Reports zur Verfügung. Budgetinformationen können ebenso über die Planungs- bzw. Budgetierungsfunktionalität der Finanzsysteme abgedeckt werden.

Eine Organisation, die schon doppisch bucht, wird aufgrund der EPSAS-Einführung keine bestehende Finanzsoftware ablösen müssen.

Die wichtigsten Unterschiede der IPSAS (und vergleichbares ist von den EPSAS zu erwarten) zu den bestehenden am HGB angelehnten Rechnungslegungssystemen in Deutschland sind die folgenden Themenfelder:

  • Gliederung der Bilanz.
  • Bewertung von Vermögensgegenständen und planmäßige Abschreibungen.
  • Ermittlung von Wertminderungen.
  • Darstellung und Errechnung von Rückstellungen - Abzinsung.
  • Darstellung von Sonderposten - Transferzahlungen.
  • Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten.
  • Angaben im Anhang.
  • Konsolidierung - Konzernbilanz.

Der zu erwartende Aufwand - sowohl organisatorisch als auch systemtechnisch - mit einer qualitativen Größenangabe ist in folgender Tabelle zusammenfassend dargestellt. Die Angaben erfolgen auf Grund einer ausführlicheren Analyse der Anforderungen, deren Ergebnisse in einem Whitepaper dargestellt sind. Es kann festgehalten wird, dass die zu erwartenden Auswirkungen der EPSAS auf die IT-Systeme für doppisch buchende Organisationen überschaubar sind und dafür keine grundlegenden Änderung in der Finanzsoftware notwendig sind. Die meisten Änderungen können über organisatorische Maßnahmen abgewickelt werden.

 

Zu erwartende Änderung der Anforderungen durch die EPSAS

Organisatorischer Aufwand

Änderungsbedarf in der Finanzsoftware

Gliederung der Bilanz  **  **
Bewertung von Vermögensgegenständen und planmäßige Abschreibungen  ***  *
Ermittlung von Wertminderungen  **  *
Darstellung und Errechnung von Rücklagen - Abzinsung * *
Darstellung von Sonderposten - Transferzahlungen * *
Aktive Rechnungs- abgrenzungsposten * *
Angaben im Anhang **** **
Konsolidierung ** **

 

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