Unit4
Blog

Planung und Steuerung – Denken und Agieren in Bandbreiten immer wichtiger im Controlling

Veröffentlicht von  Jörgen Erichsen

Die Dynamik und Unsicherheit in Wirtschaft, Politik und Technik nimmt Dimensionen an, die bis vor kurzem unvorstellbar waren. Produktlebenszyklen werden stetig kürzer, die für Planung und Steu-erung verfügbare Datenmenge nimmt täglich zu. Es stellt sich die Frage, welche Daten die Richtigen für den Betrieb sind. Auch das politische Umfeld trägt wenig dazu bei, die Planungssicherheit zu verbessern – Stichworte sind u.a. drohender Handelskrieg und Brexit. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch was tun, wenn man Unsicherheiten nicht beseitigen kann, aber planen und steu-ern muss?

Unsicherheiten mit Denken und Handeln in Bandbreiten werden Normalität
Die Antwort lautet: Controller und Unternehmer müssen stärker in Bandbreiten denken, Risiken und Chancen abwägen und Szenarien erstellen. Planungen, bei denen man relativ sicher sein kann, dass man sie mit Abweichungen von +/- 10% erreichen wird, gehören in vielen Branchen bald der Vergangenheit an. Mit zunehmender Dynamik lassen sich z.B. Umsätze und Kosten immer seltener so prognostizieren, dass man darauf die Existenz des Unternehmens aufbauen kann. Das bedeu-tet, dass sich Controller mehr damit befassen müssen, wie sie für ihren Betrieb Szenarien erstellen können, die zeigen, welche Auswirkungen bestimmte Entwicklungen haben – positive wie negati-ve. Dabei sollte der Fokus zunächst auf negative Szenarien gelegt werden. Auch mit solchen muss es Firmen möglich sein, weiter z.B. ohne Liquiditätsprobleme am Markt agieren zu können. Mit dem Thema ist dann auch die Frage verknüpft, wie Controller „ihren“ Geschäftsleitungen verkau-fen können, dass es nicht mehr ständig auf-, sondern zumindest zeitweise seit- oder abwärts ge-hen kann.

Möglichkeiten, Simulationen und Szenarien abzubilden
Relativ einfach ist oft die Erstellung von Szenarien mit Excel, indem man sich zentrale Parameter der Ursprungsplanung herausgreift, etwa Umsätze mit wichtigen Kunden oder Produkten, und diese um 20 oder mehr Prozent verringert oder verbessert. Damit können u.a. Fragen beantwortet wer-den wie: Wie verändern sich Gewinn und Liquidität, wenn eine Veränderung eintritt? Genügen die Resultate noch, um nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen? Sind Anpassungen bei Personal oder Kapazität nötig, wenn sich die Entwicklung verstetigt? 
Eine oft von größeren Firmen genutzte Möglichkeit zur Erstellung von Szenarien ist die Anwendung der Monte-Carlo-Simulation. Sie berechnet mathematisch, wie sich Entscheidungen und Hand-lungsweisen auf aus heutiger Sicht realistisch geplante Ergebnisse auswirken. Bei der Simulation können beliebig Einflüsse erfasst, mit Eintrittswahrscheinlichkeiten hinterlegt und die Ergebniswir-kung dargestellt werden. Außerdem lassen sich Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge erkennen und Szenarien werden noch realistischer. 
Nicht zuletzt gibt es immer mehr Software-Firmen (wie etwa Unit4 Prevero), die einen Pool an Werkzeugen anbieten, etwa Unit4 Prevero, die Risikoanalyse-Tools mit Szenariodarstellungen. Controller können aus einem Fundus an Werkzeugen schöpfen, um mehr als bisher mit Bandbrei-ten zu arbeiten.

Umdenken bei Unternehmen und Controllern muss jetzt beginnen
Aber auch, wenn Controller dies tun, ziehen Geschäftsleitungen nicht automatisch mit. Nach wie vor dominiert hier die Ansicht, dass es möglich sein muss, weiter von Jahr zu Jahr steigende Ergeb-nisse zu erzielen. Controller haben in diesem Umfeld u.a. die Chance, ihre Rolle als Business-Partner zu etablieren: Um Geschäftsführungen zu überzeugen, können sie z.B. regelmäßig Gesprä-che mit Erläuterung der Notwendigkeit des „neuen“ Vorgehens und Erklärung der Szenarien füh-ren. Dabei sollte auch gezeigt werden, dass und welche Potenziale es gibt, die sich erschließen las-sen. Zudem lässt sich mit Szenarien gut erkennen, wie sich Risiken begrenzen oder vermeiden las-sen. 
Fazit: Controller sollten akzeptieren, dass sie ab sofort mehr in Bandbreiten denken und handeln müssen, wenn sie die Zukunftsfähigkeit ihres Betriebes sichern wollen. Danach ist es notwendig, die Geschäftsleitungen mit guten Argumenten zu überzeugen, es ihnen gleichzutun, um gemein-sam an einem Strang zu ziehen.

© Jörgen Erichsen, Leverkusen Oktober 2018
 

Jörgen Erichsen

Dipl. Betriebswirt Jörgen Erichsen ist Unternehmensberater und verfügt über langjährige Erfahrung als Controller, Financial-Analyst und Projektleiter in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben wie Johnson&Johnson, Siemens und Deutsche Telekom AG. Als Autor schreibt er Fachbeiträge und Bücher zu den Themen Controlling, Kostenrechnung, Betriebswirtschaft und Wissensmanagement. Darüber hinaus arbeitet er als Referent und Trainer, z.B. für den BVBC, die IHK sowie für verschiedene Hochschulen.