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Integration der Planung als wichtiges Element eines digitalen Corporate Performance Managements

Veröffentlicht von  Dr. Christian Fuchs

Viele Unternehmen stehen aktuell vor der Herausforderung, ihre historisch gewachsene Finanzinfrastruktur durch datengetriebene Prozesse und leistungsfähige Softwareanwendungen zu modernisieren. Wesentliche Gründe hierfür sind neue strategische Zielvorgaben zur Datennutzung und hohe Managementerwartungen hinsichtlich des Automatisierungsgrades von Finanz- und Controlling-Prozessen. Neben der Verbesserung von Geschäftsabläufen sind insbesondere Investitionen in digitale Technologien, Softwarelösungen und die Datenverarbeitung geplant.

In diesem Zusammenhang ist die Verbesserung und bessere Unterstützung von Planungsprozessen ein zentrales Element auf der Agenda vieler Unternehmen (siehe Abbildung 1). Sie haben erkannt, dass Corporate Performance Management (CPM) und Managemententscheidungen zukünftig vorausschauender, automatisierter und datenbasierter erfolgen müssen. Die nachhaltige Verbesserung der Planung erfordert jedoch mehr als nur den Einsatz moderner Softwarelösungen. Insbesondere die Integration der Planung wird oftmals unterschätzt, ist aber ein entscheidender Faktor für transparentere, qualitativ hochwertigere und aussagekräftigere Planungen. Eine integrierte Unternehmensplanung ist das Rückgrat moderner Planungsansätze wie etwa der treiberbasierten Planung oder der Simulation von Ergebnisveränderungen. Nicht zuletzt durch die Integration werden Planungen nutzenstiftender und gewinnen an Relevanz für die Unternehmenssteuerung und Managemententscheidungen.

Abbildung 1: Wie beurteilen Sie die Bedeutung der folgenden CPM-Prozesse für den Erfolg Ihres Unternehmens im Rahmen der Digitalisierung? (Quelle: BARC-Studie „Corporate Performance Management im Zeitalter der Digitalisierung“, n=207)
 

Integration in der Unternehmensplanung
In vielen Unternehmen dominiert – meist aus der Finanzabteilung getrieben – die Planung von Ergebnisrechnungen (Bilanz, GuV, Cashflow). Operative Teilbereiche wie bspw. Vertrieb, Produktion oder Personal/Ressourcen werden unabhängig davon separat betrachtet. Insbesondere die Ergebnisplanung hat jedoch nur dann eine entsprechende Aussagekraft, wenn einerseits die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Teilplänen Berücksichtigung finden und diese vollständig integriert sind sowie andererseits Ergebnisse aus den Teilplänen einfließen.
Integration in der Planung ist jedoch mehr als nur die pure, inhaltliche Integration einzelner Teilpläne in einem einheitlichen Modell. Eine integrierte Unternehmensplanung umfasst weitere Dimensionen und muss auf verschiedenen Ebenen erfolgen. Insbesondere die Ableitung der klassischen, jährlichen Budgetierung aus der strategischen Planung, als auch die unterjährige Aktualisierung der erhobenen Plandaten (auf Basis von Forecasts) sind weitere essentielle, prozessuale Bestandteile, kommen aber in vielen Unternehmen noch zu kurz. Darüber hinaus ist die systemseitige Verbindung und Abstimmung verschiedener CPM-Prozesse wie Planung, Reporting, Analyse und Konsolidierung in einheitlichen Softwareplattformen ein weiteres zentrales Merkmal.

Integration von Planung mit weiteren CPM-Themen
Gerade die fehlende Integration ist oftmals ein wesentlicher Kritikpunkt an heutigen Planungsprozessen. Eine erfolgreiche und nachhaltige Integration von Planungs- mit weiteren CPM-Prozessen erfordert einheitliche oder gut verknüpfte Softwareplattformen. Abbildung 2 zeigt, dass viele Unternehmen im Rahmen der eigenen digitalen Transformation verstärkt nach einer Integration ihrer Planungs- sowie Reporting- und Analyseprozesse streben. Für 91 Prozent ist die Möglichkeit essentiell, Daten aus der Planung gut analysieren zu können und diese, vor allem für Soll-Ist-Vergleiche, im Rahmen des Unternehmensberichtswesens oder für Dashboards zu nutzen. Ebenso wird Strategiemanagement- (65 Prozent) und Konsolidierungsprozessen (57 Prozent) ein hoher Bedarf an Integration mit der Unternehmensplanung bescheinigt.
 

Abbildung 2: Wie wichtig ist Ihnen die Integration Ihrer Planungsprozesse mit weiteren CPM-Prozessen in einer Softwareplattform im Rahmen Ihrer Digitalisierungsstrategie? (Quelle: BARC-Studie „Corporate Performance Management im Zeitalter der Digitalisierung“, n=205)
 

Zur Vermeidung von zeitintensiven und fehleranfälligen Datentransferprozessen zwischen Softwaresystemen bildet eine integrierte Datenbank für Ist- und Plan-Zahlen, repräsentiert in einem konsistenten Datenmodell, die solide Basis integrierter Softwarelösungen. Zentral verwaltete und harmonisierte Stammdaten bieten eine einzige, gemeinsame Datengrundlage für Planung sowie weitere CPM-Prozesse (Single point of Truth). Darauf aufbauend gilt es, ein konsistentes Datenmodell zu entwickeln, welches flexibel die Modellierung unternehmensweiter und abteilungsspezifischer Datensichten erlaubt, ergänzt durch flexible Zeithorizonte für kurzfristig operative, mittelfristig taktische und langfristig strategische Betrachtungen. Um eine wirklich integrierte Anwendererfahrung zu ermöglichen, sollten alle Funktionen in einer integrierten Plattform, Web-basiert und Cloud-ready zur Verfügung stehen.

Herausforderungen nicht integrierter CPM-Prozesse
Die Integration der Planung mit weiteren CPM-Prozessen ist die Basis für eine digitalisierte Unternehmenssteuerung und datenbasierte Managemententscheidungen. Insbesondere bei der Softwareauswahl sollten Unternehmen deshalb der Integration der Planung mit weiteren CPM-Prozessen erhöhte Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wenn Softwarewerkzeuge in dieser Hinsicht nicht sorgfältig evaluiert werden, können große Herausforderungen bei der späteren Nutzung bzw. beim Einsatz der Lösungen auftreten:

  • Mangel an Geschwindigkeit und Agilität aufgrund der Latenz zwischen Datenentstehung und Datenanalysen in verschiedenen Softwaresystemen. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, Ist- und Plandaten erst integrieren zu müssen bevor Planungs-, Berichterstattungs- oder Analyseaufgaben durchgeführt werden können.
  • Datenqualitätsprobleme, vor allem Inkonsistenzen, wenn versucht wird, die in verschiedenen Datenbanken und Anwendungen gehaltenen Daten und Datenstrukturen für Ist- und Plandaten zu kombinieren.
  • Verschiedene Benutzeroberflächen und -erfahrungen für Planung und CPM, die zu verminderter Produktivität, Anwenderzufriedenheit und zusätzlichem Schulungsaufwand sowie Anwendersupport führen.
  • Zusätzlicher Aufwand für notwendige Datentransferprozesse zwischen Planung und CPM, um Ist- und Plandaten zusammenzubringen.
  • Zusätzliche IT-Kosten für den Betrieb verschiedener Softwaresysteme, Serverumgebungen, Pflege von Benutzerberechtigungen, Lösen von Nutzerproblemen, Update-Prozessen etc.
  • Zusätzliche Lizenzkosten für separate Planungs- und CPM-Werkzeuge.


Der Einsatz integrierter Softwarelösungen ist ein entscheidender Faktor für den nachhaltigen Erfolg im Rahmen der digitalen Transformation des Finanz- und Controlling-Bereichs. Insbesondere die Integration von Planung und CPM unterstützt eine agile, datenbasierte und vorausschauende Unternehmenssteuerung und Managemententscheidungen. Die Weichen hierfür stellen Unternehmen bereits bei der Softwareauswahl.

 

Dr. Christian Fuchs

Dr. Christian Fuchs verantwortet die Analytics & Data Management Practice des Business Application Research Center (BARC). Als Senior Analyst ist er Hauptautor zahlreicher BARC-Studien im Bereich CPM und BI sowie ein gefragter Redner auf Konferenzen. Seine Spezialgebiete sind entscheidungsunterstützende Informationssysteme mit einem besonderen Fokus auf CPM, Planung und BI-Anwenderwerkzeuge. Als Berater unterstützt er Unternehmen im Softwareauswahlprozess und in der Einführungsphase sowie bei strategischen Fragen zum CPM- und BI-Anwenderwerkzeugportfolio inklusive Architektur und Nutzungsszenarien.