Von "Work in Progress" zum Cashflow: Warum AEC-Unternehmen 2026 ihre kaufmännische Disziplin verschärfen

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Management-Summary

AEC-Unternehmen starten unter verschärften finanziellen Bedingungen ins Jahr 2026: steigende Kapitalkosten, verzögerte Zahlungseingänge und eine zunehmende vertragliche Komplexität. Diese Faktoren zwingen CFOs und COOs dazu, die Effizienz bei der Umwandlung von unfertigen Leistungen (Work-in-Progress, WIP) in liquide Mittel deutlich zu steigern. Eine stärkere kaufmännische Disziplin ist mittlerweile unerlässlich, um Margen zu schützen und die Liquidität zu sichern.

Dieser Artikel erläutert die Hintergründe dieser Entwicklung und zeigt praxisnahe Schritte auf, mit denen AEC-Unternehmen ihren Cash-Conversion-Zyklus optimieren und Erlösverluste minimieren können.

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Warum der Druck im Jahr 2026 steigt

Finanzierungskosten bleiben hoch

Die US-Notenbank Federal Reserve hat signalisiert, dass die Zinssätze im Rahmen ihrer Strategie zur Inflationsbekämpfung länger auf einem hohen Niveau bleiben werden. Anfang 2026 wird erwartet, dass der Leitzins über dem Niveau von vor 2020 bleiben wird (Federal Reserve, Jan. 2026, https://www.federalreserve.gov).
Höhere Zinsen steigern die Kosten für die Finanzierung von Personal, Subunternehmern und Projektüberschreitungen.

Kunden lassen sich mehr Zeit bei der Zahlung

Zahlreiche Branchenumfragen zeigen, dass die Forderungslaufzeit (Days Sales Outstanding, DSO) in der Dienstleistungsbranche gestiegen ist. Zwar variieren die Werte je nach Unternehmen, doch die meisten Finanzverantwortlichen im AEC-Sektor berichten von längeren Zahlungszyklen aufgrund von Budgetbeschränkungen auf Kundenseite und dem Bestreben, Liquidität zu sichern. Die Finanzberichterstattung von ENR bestätigt ähnliche Trends in den letzten Jahren (Engineering News‑Record, Financial Trends, https://www.enr.com).

Zunehmende Komplexität der Verträge

Der ACEC und andere Branchenverbände verzeichnen eine stetige Zunahme alternativer Projektabwicklungsmodelle wie Integrated Project Delivery (IPD), Mehrparteienvereinbarungen und strukturierte Anreizmodelle, die mit höheren kommerziellen Risiken verbunden sind (ACEC Industry Insights, 2025, https://www.acec.org).

Zusammengenommen bedeuten diese Trends, dass hohe, überfällige WIP-Bestände ein wachsendes finanzielles Risiko darstellen.

Wo AEC-Unternehmen bei der Umwandlung von WIP in Cash wertvolle Zeit verlieren

  1. Änderungen am Projektumfang sind die Hauptursache für Umsatzverluste: AEC-Projekte entwickeln sich ständig weiter. Dennoch verlassen sich viele Unternehmen bei der Verfolgung von Änderungen immer noch auf manuelle oder uneinheitliche Prozesse. Wenn Änderungen am Leistungsumfang nicht schnell dokumentiert und genehmigt werden, erbringen Unternehmen Leistungen, die technisch gesehen nicht durch das Honorar abgedeckt sind. Das macht die Abrechnung schwierig oder sogar unmöglich.
  2. Uneinheitliche und oft verzögerte Abrechnungszyklen: Die monatliche Abrechnung hängt von der rechtzeitigen Abgabe der Zeiterfassungsbögen, Aktualisierungen des Fertigstellungsgrads und dem Abgleich von Subunternehmerrechnungen ab. Wenn diese Daten fehlen, werden Rechnungen verspätet versendet und der WIP-Bestand wächst.
  3. Manueller WIP-Abgleich führt zu Fehlern: Unternehmen, die mit Tabellenkalkulationen oder isolierten Systemen arbeiten, haben mit vermeidbaren Problemen zu kämpfen, darunter:
    • Versäumte Preisanpassungen
    • Anwendung falscher Kostensätze
    • Zu geringe Abrechnung bei Festpreisprojekten
    • Verzögerte oder unvollständige Rechnungsstellung
  4. Mangelnde Echtzeit-Transparenz für Projektleitende: Ohne präzise Earned-Value-Daten fällt es Projektleitenden schwer, die tatsächliche Performance ihrer Projekte einzuschätzen. Dies verzögert notwendige Maßnahmen und beeinträchtigt die Marge.

Der Trend zum Commercial Performance Management

Erfolgreiche AEC-Unternehmen gehen über traditionelle Buchhaltungspraktiken hinaus und setzen auf Commercial Performance Management – einen proaktiven, datengestützten Ansatz.

a. Standardisierte Governance über den gesamten Projektlebenszyklus

Führende Unternehmen implementieren:

  • Standardisierte Projektstrukturpläne

  • Abrechnungskalender

  • Workflows für Änderungen am Projektumfang

  • Richtlinien zur Umsatzrealisierung

Governance reduziert Abweichungen und verbessert die Planbarkeit.

b. Echtzeit-Transparenz für Projektteams

Moderne Systeme bieten Projektleitenden eine klare, aktuelle Übersicht über:

  • WIP-Bestände

  • Earned Value

  • Margenrisiken

  • Prognostizierte Fertigstellung

Dies ermöglicht frühzeitige und fundierte Entscheidungen.

c. Rollierende Cashflow-Prognosen

CFOs nutzen rollierende Prognosen, die Auftragsbestände, WIP-Burn-Rates und Pipeline-Wahrscheinlichkeiten kombinieren. Dies optimiert die Liquiditätsplanung und vermeidet böse Überraschungen.

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Was erfolgreiche AEC-Unternehmen anders machen

a. Strengere kommerzielle Kontrollen im Vorfeld

Vertragsdaten werden bereits vor Projektbeginn standardisiert, einschließlich:

  • Regeln für Kostensätze

  • Abrechnungsmeilensteine

  • Eskalationslogik

  • Genehmigungs-Workflows

Dies verhindert Fehler im weiteren Projektverlauf und sorgt für Klarheit in den Projektteams.

b. Automatisierung administrativer Aufgaben

KI-gestützte Systeme unterstützen Unternehmen dabei, den manuellen Aufwand für WIP-Abgleiche und Abrechnungen zu reduzieren, indem sie:

  • Vertragsabweichungen erkennen

  • Nicht abgerechnete WIP-Bestände kennzeichnen

  • Abrechnungsabweichungen prognostizieren

  • Überfällige WIP-Bestände überwachen

Durch Automatisierung können sich die Teams auf strategische Entscheidungen und die Kundenkommunikation konzentrieren.

c. Förderung des kommerziellen Verständnisses bei Projektleitenden

Unternehmen investieren in die Schulung von Projektleitenden in den Bereichen:

  • Margenkalkulation

  • Disziplin bei Nachtragsforderungen

  • Earned Value

  • Auswirkungen auf den Cashflow

Ein besseres kommerzielles Verständnis steigert die Performance und reduziert Forderungsausfälle.

d. WIP als strategische Kennzahl etablieren

Führungsteams verfolgen verstärkt:

  • WIP-Alterungsstruktur

  • Gefährdete WIP-Bestände

  • Geschwindigkeit der WIP-Umwandlung

  • Rückstand bei Nachtragsforderungen

WIP als strategische Kennzahl zu behandeln – und nicht nur als Artefakt der Finanzabteilung –, steigert die Performance in allen Teams.

5. Das Ergebnis: Höhere Planbarkeit und ein gesunder Cashflow

Unternehmen, die ihre WIP-Prozesse modernisieren, profitieren von:

  • Schnelleren Abrechnungszyklen
  • Weniger Forderungsausfällen
  • Einem stabileren Cashflow
  • Höherer Sicherheit bei der Marge
  • Besseren Umsatzprognosen

Selbst geringfügige Optimierungen bei der WIP-Umwandlung führen in einem Hochzinsumfeld zu spürbaren finanziellen Gewinnen.

Fazit

Das Jahr 2026 ist ein entscheidendes Jahr für das kommerzielle Geschäft im AEC-Sektor. Hohe Finanzierungskosten und ein verändertes Zahlungsverhalten der Kunden erfordern eine stärkere Finanzdisziplin. Unternehmen, die ihre WIP-Governance modernisieren, die Transparenz erhöhen und den administrativen Aufwand automatisieren, sind besser aufgestellt, um ihre Margen zu schützen und nachhaltiges Wachstum zu sichern.

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