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Revolution in der Anwaltskanzlei? Nein, aber ein neues Paradigma in der Kanzleiorganisation

Veröffentlicht von  Harald Schötz

Waren Sie schon einmal auf einer Veranstaltung oder Konferenz, bei der es auch um Themen wie Digitalisierung, Robotisierung oder künstliche Intelligenz in der Anwaltskanzlei ging und die aufzeigten, dass die Anwaltskanzlei nicht so bleiben wird, wie sie heute ist? Ich war auf einigen solcher Veranstaltungen und die Thematik ist sowohl faszinierend als auch motivierend, weil spannend und aktuell.

Heißt das nun, darüber nachzudenken, wie man die meisten Mitarbeiter loswerden kann, da deren Arbeit künftig von Robotern oder künstlicher Intelligenz erledigt wird?

Natürlich nicht! Entspannen Sie sich – Sie können erst einmal sowohl auf Roboter als auch auf künstliche Intelligenz verzichten, denn es ist viel wichtiger, auf Veränderungen zu reagieren, mit denen die Branche derzeit konfrontiert ist. Die Kanzleien, die auf die neuen Rahmenbedingungen und Marktanforderungen reagieren, werden weiterhin die Gewinner sein.

Was sind die Veränderungen, mit denen die Kanzlei zu tun hat?

Ist es nicht so, dass die Stundensätze seit ein paar Jahren mehr unter Druck geraten sind? Sind auch die Kunden weniger loyal als früher und nutzen sie sogar verschiedene Anwaltskanzleien für verschiedene Aufgaben? Fordern Kunden immer mehr unterschiedliche Preismodelle und werden Fest- oder Zielpreise immer relevanter? Sehen Sie sich in der Notwendigkeit, ein Budget für die zu bepreisenden Aufträge zu erstellen, und deren Lieferung anders als zuvor zu verfolgen? Einige nennen dies "Legal Project Management", d. h. die Verwaltung von Aufträgen als Projekte und Prozesse, angelehnt an eine traditionelle Projektmethodik.

Glücklicherweise ist dieses Vorgehen nicht ganz neu, wobei Anwaltskanzleien hierbei nicht die Innovatoren waren – im Gegenteil. Für die Mehrheit der Dienstleister war dieses Vorgehen schon immer alltäglich. Professional-Services-Organisationen ist eine Bezeichnung für Dienstleistungsunternehmen wie IT-Berater, Unternehmensberater, beratende Ingenieure usw. Die Anwaltskanzlei ist heute nun nicht mehr in einer besonderen Position und kann sich nicht länger als eine Branche betrachten, die auf eine ganz andere Weise geführt werden kann.

Ich spreche regelmäßig mit Schlüsselpersonen der Branche, und es gibt dabei sehr große Unterschiede im Reifegrad dieser Marktanpassung. Viele haben bereits die notwendigen Schritte unternommen und sind mehr oder weniger für die neue Markt- und Konkurrenzsituation bereit, während überraschend viele noch keine Vorbereitungen getroffen haben.

Ich bin davon überzeugt, dass diejenigen, die sich offensiv und innovativ dem neuen Alltag stellen, in wenigen Jahren die Gewinner sein werden. Ein guter Rat kann nur sein, dass sich Anwaltskanzleien künftig als professionelle Dienstleistungsorganisationen verstehen, um dem Gewinnerpfad zu folgen.

Harald Schötz

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