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Digitalisierung – Verlieren Controller jetzt ihren Job?

Veröffentlicht von  Jörgen Erichsen

Die Digitalisierung hat längst auch das Controlling erreicht und führt dazu, dass immer mehr Aufgaben durch Computer und Programme übernommen werden können. Beispielsweise lassen sich viele Kennzahlen und Berichte heute automatisiert erstellen. Auch zahlreiche Aufgaben im Bereich Kalkulation oder Kostenrechnung sind durch Maschinen lösbar. Wer wissen möchte, was Software und Algorithmen im Controlling heute schon können bzw. welcher Anteil der Controlling-Aufgaben von Maschinen übernommen werden kann, kann sich z.B. die Seite https://job-futuromat.iab.de/ ansehen. Es muss nur die Berufsbezeichnung eingegeben werden und schon erfährt man, dass z.B. beim Controlling deutlich mehr als 60 % aller Arbeiten durch Roboter übernommen werden können. Das Profil kann noch entsprechend der eigenen Tätigkeitsschwerpunkte angepasst werden: Je höher der „kreative“ Anteil der Arbeiten, desto weniger können die Maschinen. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass schon heute ein großer Teil der bisherigen Arbeit automatisiert ablaufen kann. Es steht zu erwarten, dass Controller in Großunternehmen die Veränderungen eher zu spüren bekommen als ihre Kollegen in kleineren Betrieben. Allerdings werden sie bei den Veränderungen wohl auch weniger unterstützt als Controller in Großunternehmen, die z.B. häufig maßgeschneiderte Weiterbildungen wahrnehmen und sich so oft leichter anpassen können.

Was bedeutet diese potenziell schon heute mögliche Ersetzbarkeit für Controller?

Hier sind sich die Experten uneins und die Diskussionen noch längst nicht abgeschlossen. Fakt ist lediglich, dass sich auch das Berufsbild des Controllers längst im Wandel befindet und die bis dato vorherrschende relative Stabilität nach und nach verloren geht. Controller, die sich nicht mit den schon laufenden Veränderungen beschäftigen und nicht versuchen, den Wandel aktiv mit zu gestalten, werden auf kurz oder lang tatsächlich einen Großteil ihrer „angestammten“ Arbeit verlieren. Kann das nicht sinnvoll kompensiert werden, drohen Entgelteinbußen oder im schlimmsten Fall Arbeitslosigkeit.
Aus heutiger Sicht werden sich Controller u.a. tief in Themen wie Big Data, Business Intelligence sowie Predictive oder Advanced Analytics einarbeiten müssen. Sie werden sich mehr um das Thema Stammdatenpflege, die Gestaltung von Inhalten (z.B. Berichte, Kennzahlen) und die Erstellung von Regeln für den richtigen Umgang mit Daten kümmern müssen. Dabei müssen auch Dinge wie Compliance oder Datenschutz berücksichtigt werden. Auch wenn die flächendeckende, nachhaltige Beschäftigung mit den technischen Bedingungen von Datensammlung und -aufbereitung sowie Sicherung der Datenkonsistenz wahrscheinlich weiterhin Aufgabe der IT-Abteilung bleiben wird, müssen Controller dennoch die technischen Grundregeln beherrschen und verstehen und noch stärker als bisher als „Übersetzer“ zwischen Technik-/IT-Abteilung und Führungskräften tätig werden. Damit steht auch zu erwarten, dass sich Controller noch stärker als heute beratend einbringen müssen. Das Stichwort hier lautet „Business Partner“. Wie die Aufgabenfelder tatsächlich zugeschnitten oder abgegrenzt werden, ist derzeit noch nicht genau zu erkennen. Dazu sind die Dinge noch zu sehr im Fluss. 
Genau dieser Fluss und die nicht abgeschlossenen Veränderungen bieten Controllern jetzt die einmalige Chance, „Pflöcke einzuschlagen“, Themen zu besetzen und Kompetenzen aufzubauen, die es ihnen ermöglichen, sich auch künftig für die Unternehmenssteuerung und -entwicklung unentbehrlich zu machen. Sicher müssen in diesem Prozess auch Widerstände überwunden werden. Beispielsweise ist es notwendig, zu definieren, was genau ein Business Partner ist und wie man eine Abgrenzung zu den Aufgaben von Managern erreichen kann. Auch viele IT-Abteilungen sehen es gerne, wenn sie mehr direkten Kontakt zum Management haben und sich mit diesen direkt über die Ausgestaltung von z.B. Berichten, Auswertungen oder Kennzahlen einigen.
Für Controller sind also spannende Zeiten angebrochen, mit erheblichem Potenzial zur Gestaltung. Wer inaktiv bleibt, sich nicht regelmäßig weiterbildet, keine neue Technologien und Programme nutzt und abwartet, wie sich die Dinge entwickeln, riskiert, dass viele seiner Aufgaben in andere Bereiche wie die IT abwandern und von dort erledigt werden.

© Jörgen Erichsen, Leverkusen, März 2019 
 

Jörgen Erichsen

Dipl. Betriebswirt Jörgen Erichsen ist Unternehmensberater und verfügt über langjährige Erfahrung als Controller, Financial-Analyst und Projektleiter in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben wie Johnson&Johnson, Siemens und Deutsche Telekom AG. Als Autor schreibt er Fachbeiträge und Bücher zu den Themen Controlling, Kostenrechnung, Betriebswirtschaft und Wissensmanagement. Darüber hinaus arbeitet er als Referent und Trainer, z.B. für den BVBC, die IHK sowie für verschiedene Hochschulen.