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Diese Eigenschaften menschlicher CFOs kann die künstliche Intelligenz nicht ersetzen

Veröffentlicht von  Matthias Thurner

Dank neuer Technologien und einer von kunden- und serviceorientierten Geschäftsmodellen geprägten Wirtschaft ist die digitale Transformation heutzutage ein zentrales Thema in allen Branchen. Schon jetzt ist klar, dass die Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) eine große Rolle bei der Gestaltung zukünftiger Arbeitsplätze spielen wird. Aber wird sie ganze Bereiche wie etwa die Finanzabteilung bis hin zum CFO ersetzen?

Es gibt viele Diskussionen und Bedenken darüber, wie sich der „Vormarsch der Maschinen“ und die zunehmende Automatisierung auf unsere Arbeit auswirken werden. Die KI hat das Potenzial, viele wesentliche Aufgaben mit höherer Genauigkeit und Effizienz als ein menschlicher Mitarbeiter auszuführen. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) geht davon aus, dass die neuen Technologien bereits 2020 zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten in bestimmten Branchen beitragen werden. Es wird erwartet, dass 4,7 Millionen Arbeitsplätze in Büro- und Verwaltungsfunktionen abgebaut werden sowie 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Fertigung und Produktion (diese Statistiken beziehen sich auf die 15 führenden Wirtschaftsnationen).

Gleichzeitig wird es aber auch neue Rollen geben, die derzeit noch gar nicht existieren. Das WEF nimmt an, dass ca. 65% der heutigen Grundschulkinder später in Berufen arbeiten werden, die es aktuell noch nicht gibt und die auf der Grundlage neuer Technologien wie KI als integraler Bestandteil des Geschäftslebens entstehen.

Werden also in naher Zukunft Roboter in der Führungsetage sitzen? Obwohl das eine durchaus ernstzunehmende Frage ist, lautet die Antwort: Nein. Realistischer wäre zum Beispiel eine Art Cyborg-CFO – eine neue Generation von Finanzvorständen, die mit technologisch verbesserten Fähigkeiten ausgestattet ist. Doch was auch immer die Zukunft bringt – Unternehmen werden immer die menschlichen Eigenschaften brauchen, die erfahrene Führungskräfte (insbesondere CFOs) mitbringen: Führungskompetenz, strategisches Denken, Urteilsvermögen und Erfahrung.

Wichtig ist, wie Sie Ihre Daten einsetzen

Unternehmen haben heute unbegrenzte Möglichkeiten zur Nutzung der umfangreichen Datenmengen, die ihnen zur Verfügung stehen. Diese Erkenntnis sowie die Art und Weise, wie Unternehmen damit umgehen, kann deutliche Wettbewerbsvorteile bringen. Das macht die KI zu einem unverzichtbaren Bestandteil für den Finanzbereich in jeder Branche.

Viele Unternehmen profitieren bereits von den Daten-, Analyse- und Reporting-Vorteilen fortschrittlicher Finanzsysteme. Villeroy & Boch, ein Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland sowie mehr als 54 weltweiten Tochtergesellschaften und 14 Produktionsstandorten in Europa, Asien und den USA setzt auf Automatisierung als Bestandteil einer integrierten und weltweit einheitlichen Finanzplanungslösung. Das Unternehmen sah sich durch die Unterteilung seiner Tochtergesellschaften in operative Bereiche mit hoher Komplexität konfrontiert und stand zudem vor der Herausforderung, insgesamt 125 Absatzmärkte einschließlich aller relevanten Vertriebskanäle zu integrieren.

Im Zuge des Einsatzes von Unit4 Prevero führte das Finanzteam automatische Konsolidierung und Plausibilitätsprüfungen ein. Da das Unternehmen auf globaler Ebene agiert, war die Konsolidierung unterschiedlicher Währungen ein großes Thema. In der Vergangenheit musste diese in Excel durchgeführt werden. Die neue Software ermöglicht jedoch einen weitgehend automatisierten Prozess, so dass sich das Finanzteam auf die Feinabstimmung seiner Planung konzentrieren kann. Laut Pascal Speicher, Corporate Financial Controller bei Villeroy & Boch, bietet das neue Tool Unterstützung und Plausibilitätsprüfungen für viele verschiedene Fragestellungen:

„Wenn wir z.B. die Forderungen in der Bilanz erfassen, führt das System eine Abstimmung mit dem Umsatz durch und vergleicht die Kennzahlenentwicklung für die jeweiligen Perioden. So sehen die lokalen Controller sofort, ob ihre Planung plausibel ist oder nicht. Dies hat es uns ermöglicht, eine einheitliche Konzern-Logik zu erstellen und umzusetzen.“

Die Möglichkeit, Daten auf verschiedenen Ebenen zu aggregieren und darzustellen – zum Beispiel auf Basis einzelner Unternehmen oder ausgewählter Märkte und Regionen – ist ein weiterer Aspekt, der die tägliche Planung erheblich erleichtert. Villeroy & Boch kann nun seinen Konzernumsatz nach verschiedenen Kriterien aufschlüsseln, was bisher in dieser Form nicht möglich war. Egal aus welchem Blickwinkel das Unternehmen seine globalen Daten analysiert, das Finanzteam arbeitet immer im gleichen integrierten Planungssystem, mit den gleichen Informationen und Zahlen. Anstatt Zeit mit dem Abgleichen und Überprüfen der Zahlen zu verbringen, können sie sich auf die Verbesserung der Ergebnisse konzentrieren.

Durch die Unterstützung der neuen Cloud-Technologie erhalten Unternehmen immer ausgefeiltere Ansätze für ihre Unternehmensplanung. Die Erkenntnisse, die der CFO daraus für die Planung ableiten kann, werden in Zukunft eine treibende Kraft für das Geschäft sein. Die KI legt die Messlatte noch höher und hilft, noch mehr Daten zu interpretieren und die Ergebnisse zu automatisieren.

Mit fortschreitender Verbesserung der Technologie wird die KI intelligenter und kann Analysen schneller bereitstellen. Damit wird der Wettbewerbsnachteil jener Unternehmen, die sie nicht einsetzen, noch größer. Unternehmen möchten ihre Mitarbeiter zwar nicht ersetzen, wünschen sich aber bessere finanzielle Entscheidungen – und die künstliche Intelligenz gibt ihnen die Möglichkeit, dies schneller und kostengünstiger zu realisieren als mit einem ganzen Team von Menschen. Die KI wird es qualifizierten Büroangestellten ermöglichen, sich mehr auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren als auf die Verwaltung und Pflege von Daten. In größerem Umfang führt dies zu geringeren finanziellen Kosten für das Unternehmen sowie zu einer Zeitersparnis bei Aufgaben, die in der Regel mit manuellen Tätigkeiten oder Datenverwaltung verbunden sind.

CFOs und KI ergänzen sich perfekt

Die Rolle des CFO war noch nie so eng mit der Technologie verbunden wie heute und CFOs leisten mit ihren Eigenschaften einen besonderen Beitrag zu dieser Partnerschaft. Lassen Sie mich das mit dem ‘Four faces of the CFO’-Konzept von Deloitte erklären, in dem es um die vier „Gesichter“ geht, die ein CFO haben sollte.

Gesicht 1: der Stratege („Strategist“)

Bei der Transformation geht es um Veränderung. Um sich erfolgreich zu verändern, braucht ein Unternehmen die richtigen internen Prozesse – doch das allein ist nicht genug. Es ist unabdingbar, eine klar definierte Strategie für die Zukunft zu formulieren, um sicherzustellen, dass das Unternehmen in seinen ausgewählten Märkten und gegenüber seinen Kunden relevant und wettbewerbsfähig bleibt. Der CFO versteht besser als jeder andere, dass die richtige Strategie ausschlaggebend ist für eine optimale Geschäftsentwicklung sowie die Schaffung von Shareholder Value. Er bringt ein einzigartiges Verständnis für Markttrends mit sowie Erfahrungen in der Definition von disruptiven Geschäftsmodellen sowie bei deren erfolgreicher Umsetzung.

Gesicht 2: der Operator („Operator“)

Der CFO hat sich in Zeiten des kontinuierlichen Wandels zu einem wahren Business Leader entwickelt. Der Erfolg hängt davon ab, wie schnell sich das Unternehmen verändern kann; wie schnell es sich an den Wandel anpassen und ihn annehmen kann. Der CFO ist am besten in der Lage, optimale Effizienz und Effektivität zu gewährleisten, was unerlässlich für die Umsetzung solider Finanzabläufe und -prozesse ist.

Gesicht 3: der Katalysator („Catalyst“)

Der CFO ist ein Katalysator für Veränderungen. Es ist seine Aufgabe, die Notwendigkeit und den Wert von Veränderungen im Unternehmen begreiflich zu machen, Abteilungen auszurichten und die Mitarbeiter in der Steigerung ihrer Produktivität zu unterstützen. So wird sichergestellt, dass die Unternehmensstrategie effektiv umgesetzt wird und alle im Unternehmen die Konsequenzen verstehen, die sich aus der Ablehnung von Veränderungen ergeben. In Zeiten der Transformation ist der CFO nicht nur für Ergebnisse, Umsetzung und Erfolg verantwortlich, sondern auch für das Anstoßen und Vorantreiben von Veränderungen.

Gesicht 4: der Verwalter („Steward“)

CFOs sind in der Regel für Risiken und Regulierung im Unternehmen verantwortlich sowie für die Sicherstellung von Compliance und Genauigkeit im Reporting von Finanzergebnissen und Unternehmensrisikoprofilen. In Zeiten der Transformation, in denen neue Prozesse implementiert werden und Unternehmen von einer Phase in die andere wechseln, ist diese Rolle entscheidend für die Sicherung des Unternehmenswertes.

All diese Eigenschaften von CFOs sind typisch menschlich und können von Maschinen nicht reproduziert werden. Im digitalen Zeitalter, in dem der Erfolg davon abhängt, wie gut die Führungskräfte die Auswirkungen der digitalen Technologien verstehen und darauf reagieren, sind sie von entscheidender Bedeutung. Da die meisten Geschäftsdaten in Finanzsysteme übertragen werden, verfügen CFOs über die notwendige Business Intelligence und haben daher die Möglichkeit und Pflicht, eine führende Rolle zu übernehmen. Es ist ihre Aufgabe, rund um die Uhr auf dem neuesten Stand zu bleiben, mit allen im Unternehmen zusammenzuarbeiten und die zukünftige Performance zu steigern.

Es ist zu erwarten, dass das maschinelle Lernen die menschliche Kompetenz und Erfahrung in naher Zukunft stark erweitern wird, auch wenn dies heute noch nicht der Fall ist. Aber: Auch wenn die KI eine wichtige Rolle in der Datensicherung einnehmen und menschliche Entscheidungsträger mit Vorschlägen unterstützen kann, ist es letztendlich der CFO, der entscheidet, welche die beste Möglichkeit ist.

Autor: Matthias Thurner

Matthias Thurner

Matthias Thurner

Matthias Thurner ist seit der Übernahme von Prevero im August 2016 bei Unit4 tätig. Bei Unit4 Prevero verantwortet er die Bereiche Produktstrategie, Produktmanagement sowie F&E. Thurner ist Mitbegründer von Prevero und hat maßgeblich dazu beigetragen, das Unternehmen zu einem der führenden Anbieter von Corporate Performance Management-Lösungen zu machen. Seine Leidenschaft liegt in der Entwicklung intuitiver, benutzerfreundlicher Software mit maximalem Mehrwert für den Kunden.